Innenansichten meiner Kunigunde.

„Außen huinnen hui-er.“

Das trifft es.
Der erste Entwurf für Kunigunde, den Boris Schulte-Stracke und Hendrik Schulte-Stracke  mir kürzlich präsentiert haben, ist schon außen großartig (> Endlich: Der erste Entwurf!). So richtig: hui. Außen hui.
Innen ist’s im Moment noch pfui. Wie in einer feuchten Garage, in der sich auch die ein oder andere Altweltmaus wohl fühlt. Das hat bald ein Ende!
Auch innen wird es demnächst hui werden. Um nicht zu sagen: hui-er.
Seht selbst, welche grandiose Ideen Boris und Hendrik schon beim ersten Entwurf aus dem Ärmel geschüttelt haben!

Entwurf 1.0 – Kunigundes Innenansicht im Schnitt von vorne.
© www.schulte-stracke.com
Entwurf 1.0 – Kunigundes Innenansicht im Schnitt von hinten.
© www.schulte-stracke.com
Entwurf 1.0 – Kunigundes Turm-Innenansicht im Schnitt von der Seite.
© www.schulte-stracke.com

Wie gefällt euch die Aufteilung? Wie ihr seht, denken wir erst einmal in Richtung einer „klassischen“ Nutzung als Wohnhaus Wohnhäuschen Tiny House! Auf dieser Basis sind später auch noch Ideen vom Atelier bis zum Zwitscherstübchen umsetzbar.
Ich freue mich auf eure Kommentare. Und Ideen. Immer her damit!

Endlich: Der erste Entwurf!

Warum ich soziale Netzwerke fabelhaft finde?
Weil sie mich immer wieder mit tollen Menschen zusammenbringen, mit denen ich ohne Facebook, Twitter oder Xing wahrscheinlich keinen Kontakt (mehr) hätte. So wie mit Boris Schulte-Stracke und seinem Bruder Hendrik Schulte-Stracke, die ich aus meiner alten Heimat Sundern im Sauerland kenne. Dank Facebook kreuzten sich unsere Wege im Jahr 2016 nach mehr als 20 Jahren wieder.

Beide sind Architekten aus Leidenschaft. Und sie haben ein Faible für außergewöhnliche Projekte – wie die Sanierung einer stillgelegten Turmstation.

So kam es, wie es kommen musste. Grinsendes Smiley, als Emoticon :D

Kürzlich haben Boris und Hendrik mir einen ersten Entwurf für Kunigundes Weckruf aus ihrem Dornröschenschlaf präsentiert – ich nenne ihn Entwurf 1.0.

Und jetzt: Festhalten!

Entwurf 1.0 – Umzingelt von tristen grauen Kästen erstrahlt sie: Kunigunde!
© www.schulte-stracke.com
Entwurf 1.0 – Blick aus dem westlichen Himmel auf Kunigunde.
© www.schulte-stracke.com
Entwurf 1.0 – Blick aus dem Westen auf Kunigunde, die direkt am Mehlemer Bach liegt.
© www.schulte-stracke.com
Entwurf 1.0 – Blick aus dem Osten auf Kunigunde.
© www.schulte-stracke.com

Wie findet ihr’s?

P.S. Ich bin völlig aus dem Häuschen.

P.P.S. Großartig, oder?

P.P.P.S. Boris und Hendrik können nicht nur Turmstationen: www.schulte-stracke.com

Update vom 31. März 2017:
Hier geht’s zu den Innenansichten meiner Kunigunde.

Viele Ideen entlang des Weges.

 

Die beste Methode, eine gute Idee zu bekommen, ist, viele Ideen zu haben! [Linus Pauling]

Viele Ideen für ein Upcycling / eine Neunutzung von Kunigunde rauschten schon durch meinen Kopf wie durch andere:

  • Atelier
  • Café
  • Coworking-Space
  • E-Bike-Ladestation
  • Flirtschule
  • Ferienhäuschen
  • Galerie
  • Heimatmuseum Mehlem
  • Jugendzentrum
  • Kiosk
  • Kindertheater
  • Liebesnest
  • Party-Location
  • Plattenladen
  • Püffchen
  • Raststätte für (Rad-)Wanderer
  • Seminarhäuschen
  • Solarstrommuseum
  • Tiny House
  • Zwitscherstübchen

Ganz zu Anfang setzte sich das Kindertheater in meinem Kopf fest.
Aus guten Gründen:
Weil Kunigunde direkt neben der Mehlemer Grundschule steht.
Weil ich just meine Ausbildung als Theaterpädagogin abgeschlossen hatte.
Weil ich schon immer Intendantin werden wollte.

Also schrieb ich ein Konzept. Für das Theater im Trafoturm HOCHSPANNUNG:

Titel meines Kindertheater-Konzepts, Mai 2012.

Das Konzept war rund und gefiel RWE. In einem Schreiben von RWE an das Bauordnungsamt hieß es: „Die RWE Deutschland AG begrüßt die Nachnutzung und unterstützt die Maßnahme im Rahmen der Möglichkeiten. Aus unserer Sicht ist es sehr erfreulich, dass dieses alte Gebäude erhalten bleibt und für soziale Zwecke genutzt wird.“

„Im Rahmen der Möglichkeiten“ war bereits, dass RWE die Notarkosten für den Verkauf übernahm. Das war große Klasse! Und: Wenn ich eine überzeugende Nachnutzung entwickle, hat Kunigunde sogar die Chance, noch eine Anschubfinanzierung für ihre Sanierung zu erhalten.

Warum ist das so?
Weil Turmstationen Zeugnis über die Industriearchitektur der jeweiligen Region und Zeit geben – und damit schützens- und denkmalwert sind.
Weil Turmstationen seit über einem Jahrhundert Teil unserer Kulturlandschaft und echte Landmarken sind – aber häufig erst als solche wahrgenommen werden, wenn die Abrissbirne droht (oder bereits zugeschlagen hat).
Weil das Unternehmen damit die Abrisskosten einspart. Und das ist gut so!

Ich bin nicht alleine mit meiner Faszination für Turmstationen. Viele Menschen zeigen dies in der virtuellen wie realen Welt. Es gibt sogar einen Sammelbegriff für diese Bekloppten: Türmer.
So las ich hier, in einer Dokumentation über das 2015 stattgefundene Symposium „Turmstationen – Landmarken in der Kulturlandschaft“:

„Türmer heißen heute Menschen, die nicht mehr benötigte Turmtransformatoranlagen erwerben und sie den unterschiedlichsten Nutzungen zuführen.“

Dann mal ran!

Wie wir zueinander fanden.

 

„Wie kamest du denn auf die Idee, dir eine Turmstation zuzulegen?“

Das werde ich oft gefragt, wenn ich von Kunigunde erzähle.

Die Geschichte, wie ich zu meiner Turmstation fand, kann ich kurz oder lang erzählen.

Short Version:
Ich liebe kleine Häuser! Schon immer. Deshalb habe ich eins gesucht – und gefunden.

Long Version:
Seit ich denken kann, stelle ich mir, in einem kleinen Häuschen zu wohnen: Platz für mich + 1 Bett + 1 Tisch + 1 Stuhl. Ein Ort, wo ich nur für mich sein kann.
Da ich keine Einsiedlerin bin, sondern ein Familienmensch und gern auch Platz für meine Lieben habe, kam es nicht dazu. Das ist auch gut so. Zwei Kinder kamen, eines ging schon wieder aus dem Haus. Geblieben ist die Vorstellung mit dem kleinen Häuschen. Weil die einfach großartig sind!

„Alles Gute kommt zu seiner Zeit.“

Besonders dann, wenn man nicht damit rechnet. Davon bin ich überzeugt. Zumindest ist das so bei mir. So war es auch mit meinem kleinen Häuschen:

Meine Kinder wurden größer. Ebenso die erste Party meiner Tochter in unserer Wohnung im April 2011. Die Party wurde nicht nur größer als geplant, sondern sehr viel größer. Und sehr viel lauter. War ja auch „sturmfrei“ – ich war übers Wochenende in Istanbul. Als ich zurück kam, war die Wohnung ein Schlachtfeld und alle Nachbarn sauer – auch die zwei Häuser weiter.

Nachdem alle wieder entspannt waren, dachte ich: Jugendliche brauchen eben Platz zum Laut-Sein mit Freunden – ein solcher ist nur ganz sicher nicht unsere Wohnung. Es muss was anderes her. Was mit dicken Mauern. Es darf auch klein sein. Hauptsache, die Mauern sind dick!

Wenige Monate später war ich mit Sebastian, einem Freund, verabredet, der beim früheren Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk anheuert – heute RWE. Am Ende des Abends brachte er mich zu Fuß nach Hause, ich erzählte währenddessen die Geschichte der sehr großen Party meiner Tochter.  Kurz vor meinem Zuhause, zum Abschluss der Geschichte, hielt ich im Gehen inne. Auf der Straßenseite gegenüber sah ich dabei zufällig – ja, es war so – eine alte Turmstation, die ich zuvor nie bewusst gesehen hatte. Diese hier war es:

Turmstation in der Von-Sandt-Straße in Bonn-Beuel.

Auf sie zeigend, sagte ich zu Sebastian: „Guck mal, so einen Turm bräuchte ich für meine Kinder zum Laut-Sein.“
Darauf Sebastian: „Im Ernst? — RWE verkauft solche alte Turmstationen, die nicht mehr genutzt werden. Ich kann mich mal erkundigen, ob diese von RWE und noch zu haben ist.“
Ich: „Hm. Was kosten die denn?“
Sebastian: „1 Euro.“
Ich: „Ach so. Ja, erkundige dich doch mal.“

Sebastian erkundigte sich, besagte Turmstation wurde und wird aber noch von RWE als Transformatoren-Herberge genutzt. Doch schnell wurde mir eine Alternative angeboten: in Bonn-Mehlem. Etwas ab vom Schuss – insbesondere als Party-Location für meine Kinder -, doch dafür direkt am Mehlemer Bach gelegen. Mit dicken Mauern. Freistehend. Und: mit Anbau! Das gibt’s nur selten!

17 Monate nach der Party waren alle Formalitäten erledigt. Am 20. September 2012 saßen ein RWE-Vertreter und ich beim Notar und unterzeichneten dort den Kaufvertrag: Für eine „Gebäude- und Freifläche“ von 63 qm stehe ich seitdem im Grundbuch von Mehlem als Eigentümerin ;-).
Nota bene: Da ich ein Konzept zur Gemeinnutzung als Kindertheater verfasst hatte (und das damals auch ernsthaft umsetzen wollte), hat RWE großzügigerweise die Notarkosten übernommen. Auch der Kaufpreis in Höhe von 1 Euro kam nicht zur Auszahlung – die Kosten für die Buchung wären höher gewesen als die Einnahmen…

So fanden Kunigunde und ich zueinander.

Kunigunde in der Wintersonne, Dezember 2012.
Nur die Autos stören!