Wer wie ich mit meiner Turmstation Kunigunde einem alten Trafoturm neues Leben eingehaucht hat und seit nunmehr fast vier Jahren darin lebt, weiß: Die Begeisterung für diese besonderen Bauwerke lässt einen nie wieder los. Umso schöner ist es, Menschen zu treffen, die diese Leidenschaft teilen, ihre eigenen Ideen verwirklichen und sich für den Erhalt der alten Türme einsetzen.
Eine wunderbare Gelegenheit dazu bot das 8. Turmsymposium von Turmtransformation e. V., das am 26. und 27. September 2026 im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis stattfand. Rund 30 Turmbegeisterte waren zusammengekommen, um sich auszutauschen, neue Projekte kennenzulernen und gemeinsam auf Entdeckungstour zu gehen. Bei herrlichem Spätsommerwetter waren das beste Voraussetzungen für ein gelungenes Wochenende.

Los ging es am Samstag mit einem Besuch des Freilicht-Braunkohlemuseums in Borken. Anschließend führte uns der Weg nach Bergfreiheit, das idyllisch im Kellerwald gelegene Bergmannsdorf: Karl-Dieter Körtel und sein Team der Interessengemeinschaft Artenschutz haben dort einen ehemaligen Trafoturm (siehe Beitragsfoto ganz oben bei der Besichtigung sowie unten) in einen Artenschutzturm umgewandelt. Ein schönes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn sich auch ein Energieversorger für den Erhalt solcher Bauwerke engagiert, in diesem Fall die Energie Waldeck-Frankenberg GmbH (EWF). Im ältesten Bergamt Hessens, das auch ein kleines Museum zur Geschichte des Bergbaus beheimatet, konnten wir uns nach dem Museumsbesuch bei einem Mittagsimbiss stärken.
Am Nachmittag waren wir zu Gast in der Alten Pfarrei in Niederurff bei Dr. Stefan Pollmächer und Dr. Alexandra Urbas. Die beiden teilen unsere Begeisterung für Trafotürme und haben selbst einen in Niederurff, den sie zu einem kleinen Ferienhäuschen umgebaut haben (zu Beginn war es der Spielturm ihrer Kinder, den ich hier im Blog einmal als Turm des Monats 12/2019 vorgestellt habe).
In den wunderbaren Räumlichkeiten der Alten Pfarrei, die als Kultur- und Veranstaltungs-Treffpunkt vielseitig genutzt werden, erwartete uns ein abwechslungsreiches Vortragsprogramm: Marina Kieweg von der EWF stellte die Trafotürme im Netzgebiet des Unternehmens als „Botschafter ihrer Zeit“ vor. Dazu kamen spannende Einblicke in den Fledermausturm in Vöhl-Asel, ein weiteres Turm-Ferienhaus in Guxhagen und verschiedene Trafostationen in Chemnitz und Umgebung. Auch die Mitgliederversammlung unseres 2022 gegründeten Vereins Turmtransformation e. V. fand an diesem Nachmittag statt.

Eine besondere Empfehlung für alle, die sich intensiver mit der Geschichte dieser Bauwerke beschäftigen oder einen großartigen Überblick über die vielen Gesichter von Trafotürmen bekommen möchten: Dr.-Ing. Illo-Frank Primus hat sein Buch „Geschichte und Gesichter der Trafostationen“ 2026 in einer zweiten, gründlich erweiterten Auflage veröffentlicht. Ein wirklich lohnender Lesestoff für Turmfans!
Das Buch ist direkt beim VDE Verlag erhältlich – ich kann euch den Kauf sehr ans Herz legen: https://www.vde-verlag.de/p/fachwissen/geschichte-und-gesichter-der-trafostationen/505469.
Falls euch das Buch für einen Spontankauf zu teuer ist: Es ist auch ein tolles Geschenk zum Geburtstag oder zu Weihnachten!
Am Sonntag ging es noch einmal auf Tour. In Bergheim, Mehlen und Vöhl-Asel konnten wir weitere Beispiele dafür entdecken, wie unterschiedlich sich alte Trafotürme erhalten und neu nutzen lassen. Mal steht der Denkmalschutz im Vordergrund, mal der Artenschutz, mal entsteht ein ganz besonderer „Dritter Ort“ zum Verweilen.
Was bleibt von diesem Wochenende? Für mich vor allem die Erkenntnis, dass es immer wieder neue Ideen für die Nutzung alter Trafotürme gibt. Mindestens genauso wertvoll ist aber der persönliche Austausch mit Menschen, die diese Begeisterung teilen. Jede und jeder nimmt Anregungen mit, erfährt von Erfolgen und Schwierigkeiten anderer Projekte und freut sich über das, was an vielen Orten mit viel Engagement auf die Beine gestellt wird.
Ein herzliches Dankeschön gilt inbesondere unseren Gastgebern Stefan und Alex, allen Beteiligten und natürlich der Westenergie AG und der EWF GmbH, die das Symposium finanziell unterstützt haben.
Ich freue mich schon auf das nächste Wiedersehen – und auf viele weitere Turmgeschichten!
P.S. Meine Empfehlung: Folgt Tobias van der Smissen aus Chemnitz, der auf Instagram @trafostationen_im_bild und auf WhatsApp in einem eigenen Kanal viele wunderschöne Trafostationen aus ganz Deutschland zeigt. Hier eine Auswahl seiner Fotos vom Turmsymposium:



