Turmstation Kunigunde

Turm des Monats 10/2019: Turmstation am Steinbruch Sanssouci

Gehen wir ins Sauerland, in das Nachbarstädtchen meiner Heimatstadt Sundern: nach Balve-Sanssouci, zur Turmstation am Steinbruch Sanssouci. Sanssouci gibt’s nicht nur als Schloss-Version in Potsdam, sondern auch als Weiler (Wohnsiedlung, die kleiner ist als ein Dorf) der Kleinstadt Balve. Gelernt habe ich das durch den Wikipedia-Beitrag von Sanssouci. Der Steckbrief des Turms des Monats Oktober 2019:

Standort: 58802 Balve-Sanssouci (siehe Google Maps)
Baujahr:  unbekannt
als Trafo aktiv bis: unbekannt
 Türmer/innen:  Heidelberger Sand und Kies GmbH (Unternehmen, das den Kalksteinbruch betreibt, auf dessen Gelände die Turmstation steht)
Nachnutzung als: – in Planung –

Ich weiß also recht wenig von dieser Turmstation, die ich nun Sanssouci getauft habe. Ich weiß nur, dass ich sofort schockverliebt in dieses kleine Bauwerk war, als ich die hier veröffentlichten Fotos in meiner Turmfreunde-WhatsApp-Gruppe sah, deren Beteiligten ich an dieser Stelle für das tolle Turmtransformation-Netzwerk und die Fotos danke! Schaut mal:

C’est Sanssouci: Ein mächtiger Turm mit Dornröschen-Fenstern an allen vier Seiten, ein optisch etwas zu hoch geratene Anbau – und alles aus rotem Backstein, meinem Lieblingsstein.

Obwohl dieses Denkmal der Industriegeschichte in einem desolaten Zustand ist und ich schon sehr, sehr viele Turmstationen in den letzten Jahren live oder auf Fotos gesehen habe, ist Sanssouci ein besonderes Juwel.

Desolat. Aber mit viel Potential!

Gelernt habe ich durch den Wikipedia-Artikel auch, dass ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte am Steinbruch Sanssouci stattfand: In der Zeit des Nationalsozialismus war in Sanssouci ein großes Arbeitserziehungslager, neben bis zu 15 weiteren Lagern im Hönnetal. Zehntausende Zwangsarbeiter trieben im Hönnetal in Handarbeit eine der größten Stollenanlagen im Sauerland in den zähen Fels, 2.500 m lang. Das geheime, größenwahnsinnige Projekt, einzig dazu dienlich, den Krieg zu verlängern, wurde kurz vor seiner Fertigstellung im Jahr 1945, kurz vor Kriegsende, eingestellt. Den Preis für den Größenwahn bezahlt haben vor allem die Menschen, die im Lager vor Hunger starben oder dort durch Hinrichtungen – Erschießen oder Erhängen – ermordet wurden.

In dem bei Wikipedia verlinkten Artikel “Das Arbeitserziehungslager Sanssouci” ist beschrieben, dass Arbeitserziehungslager “eine Art „Kurzzeit-KZ“ zur Disziplinierung sogenannter „Arbeitsscheuer“, vor allem von ausländischen Zwangsarbeitern” waren. Ein Nazi-Oberer wird mit den Worten zitiert, dass “Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse in solchen Arbeitserziehungslagern im allgemeinen härter sind als in einem Konzentrationslager”.
Um sich die Grausamkeiten des Dritten Reiches immer wieder vor Augen zu führen – heute leider wichtiger denne je! – kann ich den Artikel ans Herz legen. Sehr viele Zwangsarbeiter kamen im Hönnetal ums Leben, die Gesamtzahl wurde nie ermittelt. Eine Erinnerungsstätte existiert bis heute nicht – und das ist Mist.

Vor diesem Hintergrund wünsche ich mir umso mehr, dass Sanssouci bald sinnvoll nachgenutzt werden wird. Ich habe da eine Idee: Eine Erinnerungsstätte an die Gräuel des Dritten Reiches.

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