Turmstation Kunigunde

613 Tage vom Bauantrag bis zur Baugenehmigung.

Freitag war ein Freudentag. Denn ich fand in meinem Briefkasten: die Baugenehmigung für Kunigunde!

613 Tage nach der ersten Einreichung hielt ich das Schreiben am 28. Juni 2019 in den Händen. Am 23. Oktober 2017 hatte ich Bauantrag Nr. 1 dem Bauordnungsamt übergeben – damals noch mit dem Ziel, Kunigunde als “Fahrradies” herzurichten. Doch im März 2018 musste ich die Pläne dann leider aufgeben, siehe auch “Adieu, mein kleines Fahrradies”.

Es folgte die Einreichung von Bauantrag Nr. 2 am 10. September 2018: Nun mit dem – deutlich langweiligeren – Ziel, mein kleines Industriedenkmal als Minihaus bzw. immobiles Tiny House zu nutzen. Doch schon drei Tage später hieß es vom Bauordnungsamt, dass die Unterlagen nicht vollständig seien. Es sollten umfangreiche Ergänzungen her – die üblicherweise nur bei einem Neubau üblich sind. Mein Architekt sagte, dass er noch bei keinem seiner Bauprojekte – und das waren schon viele nach rund 20 Jahren Berufserfahrung! – so dermaßen viele Unterlagen einreichen musste…

Nun denn: Am 6. Dezember 2018 trug ich schließlich Bauantrag Nr. 3 ins Bonner Stadthaus. Beantwortet wurde mir dieser mit einigen weiteren Brocken auf dem langen Weg zur Baugenehmigung, darunter eine Artenschutzprüfung, eine mehrfache Überarbeitung der Unterlagen sowie die formelle Zustimmung des Nachbarn, dass ich nach dem Umbau auf dessen Grundstück schauen darf – eine nicht bebaubare Wiese mit Apfelbäumen ;-).

Mit vielen guten Argumenten habe ich mich dann auch noch dafür eingesetzt, für den – gemäß “Verwaltungsverfahrensgesetz NRW und Satzung der Bundesstadt Bonn über die Ablösung von Stellplatzpflichten” – geforderten Pkw-Stellplatz eine andere Lösung zu finden. Leider erfolglos. Es ist so irre absurd, dass in Zeiten drohender innerstädtischer Fahrverbote (die hoffentlich auch in Bonn sehr bald kommen werden!) es nicht in die Köpfe der Stadt-und-Land-Oberen will, dass es tatsächlich Menschen gibt, die ihr Leben ohne Auto leben! Stattdessen sind Bauherr*innen bei Neubau oder Umnutzung eines Gebäudes verpflichtet, einen Auto-Stellplatz nachzuweisen. Gelingt dies nicht, besteht die Pflicht, eine Ablösesumme an die Stadt zu zahlen – ohne Zahlung gibt’s keine Baugenehmigung. Es ist aber nicht so, dass dafür dann ein konkreter Stellplatz zugewiesen wird. Nein!
Für 6850 Euro habe ich für Kunigundes künftige Bewohner*innen nur das Recht gekauft, mit einem Auto in der Straße zu parken. Sechstausendachthundertfünfzig Euro! Das ist so viel Geld. So viel Geld für einen imaginären Stellplatz!1 Das tut wirklich weh.
Ein klitzekleiner Trost mag folgende Stellungnahme zu meiner Bitte um eine Statt-Stellplatzablösung-Lösung sein:

Schreibt die Verwaltung der Bundesstadt Bonn mir da wirklich, dass meine 6850 Euro in “Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs und des Fahrradverkehrs” investiert werden? Ich werde das verfolgen. Auf jeden Fall habe ich nun meinen Extra-Beitrag dafür bezahlt, dass Bonn “Fahrradhauptstadt 2020”2 werden kann. Juhu!

1 Nota bene: Im Sommer 2009 hatte ich die Idee, 2020, zu meinem 50. Geburtstag, auf kleine Weltreise zu gehen. Um das Geld dafür zu haben, habe ich damals einen zehnjährigen Sparvertrag abgeschlossen: Jeden Monat habe ich 50 Euro für meine Weltreise gespart. Jährlich 600 Euro. In 10 Jahren also 6000 Euro plus ein paar Prozent Verzinsung (die sich damals noch lohnte): Macht 6850 Euro, die ich nun ausbezahlt bekommen habe – und direkt an die Verwaltung der Stadt Bonn weitergeleitet habe. Da ich mitlerweile unter Flugscham leide und lieber innerhalb Europas (rad)wandere statt in die Ferne zu fliegen, habe ich die Weltreisepläne inzwischen ad acta gelegt. Nun habe ich sowieso kein Geld mehr dafür, denn: Ich habe von dem über 10 Jahre gesparten Geld eine Parkgenehmigung gekauft – statt auf Weltreise zu gehen! Das macht’s für mich nochmal absurder. 
2 Die Infos zum Bonner Projekt “Fahrradhauptstadt 2020” sind übrigens inzwischen von der Website der Stadt Bonn verschwunden. Es ist daher davon auszugehen, dass man im Stadthaus heimlich ganz intensiv daran weiterarbeitet. Top secret!

 

11 Kommentare

  1. Hallo

    das kann man ja fast nicht glauben…. Ob jetzt wirklich was für den ÖNV gemacht wird oder für die Fahrradfahrer kann man ja noch nicht so richtig glauben.

    Aber die Hoffnung stirb ja zu letzt.

  2. Großartig Danni,
    dein langer Atem und die vielen positiven Menschen und Freunde deiner Umgebung haben dich immer bei deiner “Wahnsinsidee” unterstützt.
    Du hast gezeigt, dass man/ frau sich nicht von den unfassbaren Hürden und Absurditäten einer Behörde, unterkriegen lassen sollte.
    Auch wenn deine Radstation nicht verwirklicht werden konnte glaube ich fest daran, dass du Wege und kreative Möglichkeiten finden wirst, dass auch Radelnde von Kunigunde partizipieren werden.
    Go on fleißiges Lieschen👍🏻🍀🥂🍾😘Yvonne aus Bonn

  3. Herzlichen Glückwunsch, liebe Dani, wie wunderbar, dass du einfach dran bleibst an deinem Traum. Ein großes Vorbild für uns alle! Viel Glück und Erfolg nun weiterhin xx

  4. Liebe Turm-Frau,

    Herzliche Glückwünsche. Hoffentlich kannst du alles umsetzen, was du geplant hast. Auf jeden Fall bewundere ich dein Durchhalten!
    Ich muss unbedzmal vorbeischauen bei Kunigunde!

    Ganz herzliche Grüße von Anke (Kulturtussi)

    1. Liebe Kulturtussi, ganz herzlichen Dank! Für alle Kunigunde-Fans wird es ein kleines Einweihungsfest geben – hoffentlich in 2020. Stay tuned!
      Wenn dich deine Wege nach Bonn-Mehlem bringen, melde dich sehr gern vorher bei mir!

  5. Herzlichen Glückwunsch! Tolle Nachrichten! Schön, wenn langer Atem letztendlich belohnt wird! Es ist und bleibt spannend – und macht zumindest dem Leser viel Spaß – dein Kunigunde-Projekt zu verfolgen. Die Stellplatzgeschichte ist allerdings völlig absurd!

    1. Herzlichen Dank für die guten Wünsche, liebe Carola. Mein Hürdenlauf macht mir ja auch Spaß – den Absurditäten zum Trotze. Jede Mitleserin und jeder Mitleser spornt mich zum Weitermachen an!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.